PERFORMATIVE KRITIK

Klimawandel war immer ein Thema, das einen nie so wirklich persönlich betroffen hat und mehr einem politischen Diskurs glich als ein Fakt unserer Realität. Jedoch treiben viel zu warme Winter, äußerst trockene Sommer mit extremen Temperaturen und Temperaturschwankungen, ausbleibender Regen und sinkende Wasserpegel von Flüssen, Seen und Grundwasser die Fakten Richtung Norden, in europäische Gebiete.

Wir können nicht mehr leugnen, dass sich das veränderne Wetter und verschlechterne Ökosystem als Folgen des Klimawandels in unserer Umgebung einnisten und auch bei uns Missernten, brennende und sterbende Wälder, überhitzende Städte, Wassermangel und viele Probleme mehr verursachen. Die Nachrichten sind voll mit beängstigenden Prognosen zu Wassermangel und heißen Städten:

WDR | Wird Polen bald zur Wüste?
RBB | Bundesamt entwirft Szenario
NTV | Metropolen im Klimawandel
KLIMAFAKTEN | Klimawandel – Was er für die Städte bedeutet

Uns ist klar gewordem, was der Klimawandel bedeutet und wir haben uns auf den Weg gemacht, um unsere Forderungen nach einer klimafreundlichen Politik Gehör zu verschaffen. Ein erstarkende Klimabewegung übersteht den Hohn und den Spott sowie die Ignoranz einer neoliberal- freundlichen Politik und formiert sich in Protesten wie diejenigen der “Fridays for Future” Bewegung voll junger Menschen. “Fridays for Future” erhält auf seinem Weg immer mehr Unterstützung und Verbündete wie “Scientist for Future“, “Parents for Future” und diversen “Students for Future” Vereinigungen. Eine ganze Welle vollgepackt mit zivilem Ungehorsam rollt durch die Strassen der Welt und bringt durch ihre Stärke die Politik ins Wanken. Weghören geht nicht mehr.

Während meiner Entwicklung von Zero Waste Konzepten, entstand die Idee, eine interaktive Protestform für Klimabeweger mit einem Lösungsansatz für Klimaprobleme zu verbinden. Die Schaffung eines Aktivraumes schafft die Inspiration für Eigenentwicklungen, da es ermutigt, aktiv voran zu gehen und den Protest fortzuentwickeln. Die Zero Waste Kitchen entwickelte sich auf den zahlreichen Veranstaltungen zu einem Rahmenkonstrukt für Protest und Aktivismus.

Die Zero Waste Kitchen ist nun eine Installation, die aktiv zum Wasserrecycling während eines Events genutzt werden kann und interaktive “Leinwand” für den Klimaprotest. Hier trifft sich performitves Design mit funktionaler Nachhaltigkeit.

Mit der Zero Waste Kitchen wird der gesamte Wasserverbrauch durch nachhaltiges Wasserrecycling reduziert. Während eines Events wird das genutzte Wasser mittels eines Sumpfbeetes gereinigt und an die angeschlossenen Hochbeete geleitet. Es entsteht ein Kreislauf, der die Ressourcen schont und Gemüse und wertvollen Hummus produziert.

Jedoch nur ein Wasserrecyclingsystem zu bauen, ohne weiter darüber nachzudenken, würde mich und die Nachhaltigkeit nicht voran bringen. Direkt damit in Verbindung steht daher vor allem auch das Einsparen von Plastikmüll und anderweitige Materialien, die nach einmaligen Gebrauch entsorgt werden müssen und Müll produzieren. Das betrifft unter anderem erwerbbare, industriell gefertigte Wasserrecyclingsysteme und Wasserfilter, die eine Abhängigkeit zur produzierenden Firma erschaffen, finanzielle und materielle Aufwendungen erfordern und permanent Müll produzieren. Der Knackpunkt war also: statt industrielle Filter nachwachsende biologische Rohstoffe, die Jede/r selbst anwenden kann.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Darunter Sumpfpflanzen. Wasserrecycling mit nachwachsende Rohstoffe wie Sumpfpflanzen bedeutet vor allem einen nachhaltigen, unendlich erneuerbaren, da nachwachsenden Rohstoff zu verwenden, der nur Biomasse und kein Plastikmüll produziert und kompostierbar ist.

Dem konsequent folgend, muss ich bei der Nutzung eines Wasserrecyclingsystems darauf achten, was ich ins Wasser gebe. Ich kann nicht alle möglichen Reinigungsmittel und flüssigen Abfälle wie starke chlorhaltige Mittel in das Abwasser geben sondern muss mich mit dem befassen, was Teil des Wassers werden soll, das meine angebauten Nahrungsmittel bewässert. Es ist daher nur der Einsatz von Reinigungsmitteln möglich, die ohne Plastikverpackung auskommen (um weiteren Plastikmüll zu vermeiden), wie Seife, und biologisch abbaubar sind. Sumpfpflanzen brauchen zwischen 6 und 24 Stunden, um biologisch abbaubare Seife abzubauen: je besser eine Seife biologisch abbaubar ist, desto schneller und besser geht es.

Es entstand die Idee, nach Möglichkeit die Seife zu ersetzen und trotzdem Verschmutzungen und vor allem Fett vom Geschirr zu bekommen: durch getrockneten Kaffeesatz, der in der Küche nach dem Kaffee kochen übrig bleibt. Getrockneter Kaffeesatz hat die wunderbare Eigenschaft Flüssigkeiten und vor allem Fette und Öle zu binden und mit Essensreste zusammen gutes Material für fruchtbaren Boden zu liefern. In einen Wurmkompost wird es nach langer Arbeit von Regenwürmern und Mikroorganismen fruchtbare Erde für unsere Hochbeete.

In einer nachhaltigen Rahmenkonstruktion setzt sich meine Vision fort. Es müssen alle Elemente nachhaltig werden.

Aus Bambus besteht der Rahmen der Installation, denn Bambus ist ein schnell nachwachsender Rohstoff, der biologisch abbaubar, leicht und stabil ist. Durch traditionelle Verbindungen, gebunden mit Hanfseil, verwende ich auch hier biologisches Material, das nachwachsend und nachhaltig ist. Die gebundenen Verbindungen ermöglichen einen einfachen Auf- und Abbau der Zero Waste Kitchen, wodurch der Transport erleichtert wird. Ich benötige weniger Raum und weniger Gewicht.

Um das recycelte Wasser zu den Hochbeeten weiterleiten zu können, brauchte ich Rohre und fand den Gedanken schrecklich, Plastikrohre einzusetzen. Alles ist nachhaltig und dann das? Der passende Ersatz lieferte: Bambus. Bambus Halbschalen in Form eines Aquädukts leiten das Wasser. Ein Bauwerk, das aus antiken römischen Städten bekannt ist und Wasser über lange Wege transportieren kann.

Auch Upcycling kommt zum Einsatz und so nutze ich für das Sumpfbeet gebrauchte Regentonnen, die ich über Ebay erstanden habe. Sie werden bei der Recyclinginstallation ein langes Leben haben und viele Liter Wasser verwandeln.

Für die Hülle nutze ich Stoff, der gespendet wurde und erschaffe mit ihm eine Fläche für kreativen Protest. Auf ihm können sich Worte, Gedanken, Bilder verewigen, die sich in den Köpfen der Klimakämpfer bewegen. Sie sind der Ausdruck einer Generation, die durch die Zeit bewegt wird und zeichnen ihr Bild von Kritik, notwendigen Veränderungen und Forderungen, Wünschen und Hoffnungen.

Während der Konferenz Generation Nachhaltigkeit im Juli 2019 enstehen die ersten Gedanken auf Stoff. Im Rahmenprogramm “Gebe Deinem Protest einen Ausdruck” werden die Stoffbahnen der Installation von den TeilnehmerInnen kreativ gestaltet und Motive zum Klimaprotest und zur Klimabewegung aus Stoff gefertigt. Um dem eigenen Protest eine kreative Ausdrucksmöglichkeit zu geben und zugleich eine Botschaft zu formulieren, die bei jeder Nutzung der Zero Waste Kitchen sichtbar wird und weiterentwickelt werden kann. Von Event zu Event entsteht ein immer größer werdenes Gesamtbild des Protestes einer Generation, die auf die Strasse geht und mittels zivilen Ungehorsam eine Zeitenwende verlangt.